Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Greenhorn erschießt Legende und der Zuschauer schläft ein. Ein Film, der einen Popstar abstaubt.

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

1881: Der berühmt-berüchtigte Verbrecher Jesse James (Brad Pitt) ist alt geworden, mit 34 Jahren hat er mit seiner stark angeschlagenen Gesundheit, Paranoia und schweren Depressionen zu kämpfen. Gemeinsam mit den Ford-Brüdern Robert (Casey Affleck) und Charley (Sam Rockwell) plant er seinen letzten großen Clou, um sich danach zu seiner Frau (Mary-Louise Parker) und seinen beiden Kindern zurückzuziehen. Doch das Verhältnis der drei ist von tiefem Misstrauen geprägt. Schließlich tötet Robert Jesse, indem er ihn von hinten erschießt. „Die Ermordung…“ handelt von den Monaten vor dem folgenschweren Schuss: Wie kam es dazu, dass der unsichere, erst 19 Jahre alte Robert, der Jesse stets als sein größtes Idol verehrte, das fertig brachte, wozu die Sheriffs gleich mehrerer Staaten zuvor nicht in der Lage gewesen waren… (Quelle: filmstars.de)

Das sagt „Cowboy“ Alex Cee: Was haben Die schönsten Bahnstrecken Europas – Frankreich: Villefrance de Conflent nach Latour de Carol und Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford gemeinsam? Richtig, einen verdammt sperrigen Titel, ungefähr die selbe Länge und ganz bestimmt den gleichen Unterhaltungswert! Halte ich den Freunden der Eisenbahn allerdings zugute, dass sich während der Führerstandsmitfahrt im Nachtprogramm wenigstens noch ab und an die Landschaft ändert, muss der leidende Zuschauer von Jesse James selbst darauf verzichten! Überhaupt scheint der melancholische Western in einem Paralleluniversum zu spielen, in dem sich die Erde um eine graue, blasse und blutleere Sonne dreht. Anders lassen sich die furchtbar trüben Bilder nicht erklären, die durch den Film plätschern, wie geronnene Milch aus einem alten 1-Liter-Karton.

Selbstverständlich steckt hinter der deprimierenden Fassade Methodik, wie auch hinter allen anderen Stilelementen, die Regisseur Andrew Dominik krampfhaft einzusetzen versucht. Der Streifen ist schließlich keine Komödie oder ein leicht verdaulicher Tanzfilm, sondern ein Abgesang auf Amerikas ersten großen Popstar Jesse James, der im Nebenberuf noch eineinhalb Dutzend Menschen das Leben gekostet hat.

So erzählt Dominik die Geschichte eines des Lebens müden Mannes, der über seinen Zenit hinaus den letzten großen Coup plant und dabei hinterrücks von einem jugendlichen Verlierer, der einfach nur berühmt sein wollte und auf Anerkennung hoffte, erschossen wird. Ein Stoff, der allen großen Dichtern und Denkern gefallen hätte. Leider waren Homer, Shakespeare und Goethe zum Zeitpunkt der Drehbucherstellung schon tot.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Filme mit Tiefgang und Geist einfach nicht nach Hollywood gehören. Auch der Versuch, den klassischen Western mit seiner stinkenden, staubigen Machowelt in das 21. Jahrhundert zu retten, funktioniert nicht. Schockierte Brokeback Mountain das prüde Amerika noch mit homosexuellen Cowboys, scheitert dieser Streifen bei dem Versuch, den Lack des historisch verbrämten Jesse James anzukratzen. Zwar liefern sich Brad Pitt und Casey Affleck ein Psychoduell alter Schule, doch ihr Kampf verliert sich in Kleinigkeiten und bleibt unkonkret. Dominik räumt den Protagonisten unendlich lange 150 Minuten ein, um mit machen Heldenpathos aufzuräumen, kommt jedoch niemals auf den Punkt und lässt den Zuschauer mit einer Ansammlung in sich geschlossener Momentaufnahmen zurück. Schade!

Da ich den weiblichen Zuschauern den stark aufspielenden Brad Pitt gönne, gibt es für dieses Machwerk noch 3 von 10 Gnadenpunkte. Mehr ist beim besten Willen nicht drin!

Deutscher Titel: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Originaltitel: The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
Studio/Verleih: Warner Brothers
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Länge (PAL-DVD): 150 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Brad Pitt, Casey Affleck, Zooey Deschanel, Meredith Henderson, Ted Levine, Mary-Louise Parker, Sam Rockwell, Sam Shepard, Jeremy Renner u.w.

Deutscher Trailer:

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