Norbit

Eddie Murphy ist ja seit seinen frühen Erfolgen nicht mehr gerade das, was man als einen Kassenschlager kennt. Ob seine Comedy 2007 dem Hype gerecht wurde, erfahrt ihr hier!

Norbit

Norbit

Der arme Tropf Norbit (Eddie Murphy) ist nicht zu beneiden. Schon als Baby wurde er von herzlosen Eltern vor einem chinesischen Waisenhaus ausgesetzt, dann als Findelkind von dem griesgrämigen Mr. Wong (Eddie Murphy) großgezogen. Aber das ist nichts im Vergleich zu seiner Ehe mit der fetten, ordinären und niederträchtigen Rasputia (ebenfalls Eddie). Dabei war sie zunächst wirklich seine Traumfrau! Das Los ist bitter und Norbit verzweifelt, da trifft er zufällig seine Jugendliebe Kate (Thandie Newton) wieder und schöpft neue Hoffnung. (Quelle: kino.de)

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Frankster versucht zu lachen:

Filme mit Eddie Murphy genießen inzwischen einen zweifelhaften Ruf und drohen so, schon vor der eigentlichen Erscheinung in der Mittelmäßigkeit zu versinken. Ich war nie ein großer Murphy Fan, konnte mir aber niemals erklären, wie ein ehemals so beliebter Schauspieler nach Vollendung der Beverly Hills Cop- Trilogie von Kritikern zu Tode geschrieben wurde. Natürlich: In der Filmografie der letzten 10 Jahre befinden sich einige Filme, die wirklich nicht zur Creme de’la Creme der Kinogeschichte zählen (Metro, Showtime, I Spy), doch wusste der amerikanische Comedian immer wieder in lustigen Rollen zu überzeugen (Dr. Dolittle, Der Guru, Der verrückte Professor). Und wer Murphy im wirklich hervorragenden Dreamgirls einmal in einer ernsthaften Rolle gesehen hat, wird ihm wohl nicht mehr so schnell das Talent absprechen. Nur wer an Murphy denkt, denkt eben an Kalauer aus den 80ern und genau auf dieser Schiene versucht er auch in Norbit wieder seine Kritiker zu überzeugen. Leider vergebens..

So spottete beispielsweise Sam Adams in der Los Angeles Times im Februar 2007, dass Murphy, der in diesem Film gleich drei Rollen spielt, der Schauspieler bewahre dadurch zwei andere Schauspieler vor einem „Schandfleck“ in deren Filmografie. Da ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass Murphys schauspielerische Leistung noch im gleichen Monat mit drei Goldenen Himbeeren abgestraft wurde. Er erhielt den Negativpreis für seine drei Rollen in den Kategorien „schlechtester Schauspieler“, „schlechteste männliche Nebenrolle“ und „schlechteste weibliche Nebenrolle“. Nach dem amerikanischen Kinostart existierte sogar eine Cam-Rip Version (also eine illegale abgefilmte Kopie) des Films, in der zu sehen ist, wie ein Großteil des Publikums das Kino bereits nach wenigen Minuten verlässt.

Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass der Film zumindest bei weiblichen Serienfans nostalgische Gefühle aufkommen lassen könnte, denn er wurde auf dem Drehgelände der inzwischen eingestellten US-Serie Gilmore Girls in Burbank, Kalifornien gedreht. Einen ehrenwerten Platz in der heimischen DVD-Sammlung erreicht Norbit durch diese Ortswahl allerdings nicht. Vielleicht sollte sich Murphy doch wieder auf ernstere Rollen, seine Synkronisationsarbeit (als Esel bei allen drei Shrek-Teilen) oder Liveauftritte konzentrieren, doch wer Murphy kennt, weiß, dass der Workaholic im Abstand von zwei Jahren sicherlich wieder mit einem neuen Comedystreifen aufwarten wird. Zur Zeit läuft Mensch Dave! im Kino, den die CeeNema Redaktion leider noch nicht sehen konnte. Und den ewigen 80er-Jahre-Fans unter euch sei an dieser Stelle schon verraten, dass 2010 der vierte Teil von Beverly Hills Cop in die Lichtspielhäuser kommen soll.
Für Norbit gibts durchschnittliche 5 von 10 Punkten

Info:

Deutscher Titel: Norbit
Originaltitel:     Norbit
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Länge (PAL-DVD): 102 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Regie:     Brian Robbins
Drehbuch: David Ronn, Jay Scherick
Musik: David Newman
Darsteller: Eddie Murphy, Thandie Newton, Cuba Gooding Jr. u.w.

Deutscher Trailer:

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Snakes on a Plane

Schlangen im Flugzeug verspeisen die Passagiere und Samuel L. Jackson hat was dagegen. Ein Film der hält, was er verspricht, und deshalb an der Kinokasse floppt. Sehr schade!

Snakes on a Plane

Snakes on a Plane

FBI Agent Flynn hat eine Mission: er soll einen Augenzeugen von Hawaii nach Los Angeles geleiten damit der Staat einen brutalen Mafiaboss hinter Gitter bringen kann. Doch als das Flugzeug gerade hoch in der Luft ist bahnen sich hunderte von aggressiven Giftschlangen ihren Weg in die Passagierkabine, attackieren alles was ihnen in den Weg kommt und verbreiten ein Chaos voller Angst und Schrecken. Mit Hilfe eines Schlangenexperten in L.A. versucht Flynn die Situation in den Griff zu bekommen um den Zeugen und die Passagiere vor den tödlichen Reptilien zu schützten. Es beginnt ein actionreicher und nahezu aussichtsloser Flug ums Überleben. (Quelle: Produktbeschreibung)

Snake on a Cee meint: Das Internet – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2006. New Line Cinema freut sich ein Loch in den Bauch. Unter tatkräftiger Mithilfe einiger Hollywood-Blogger ist es dem Filmstudio gelungen, einen gigantischen Hype um ihren neusten Film mit dem schmissigen Arbeitstitel Snake on a Plane zu entfachen. Zahlreiche Nerds und Online-Zombies drehen witzige Trailer und spamen die Foren mit Drehbuchvorschlägen voll. New Line ist sich sicher: Das wird ein Knaller.

Das obligatorische Preview für die Journaille hält man für nicht notwendig, schließlich könnte eine kritische Berichterstattung das sensible Cybervolk verschrecken. Als Ziel für das erste Kinowochenende werden deshalb bescheidene 38 Millionen Dollar ausgegeben, immerhin weiß man die Community hinter sich. Zu doof nur, dass diese von kostenpflichtigen Dienstleistungen nicht viel hält…

Während also die eine Hälfte schon dem nächsten heißen Scheiß hinterher hechelt und die andere noch überlegt, hinter welcher Müllwand sich wohl die Haustür verstecken könnte, verhungert Soap, wie hippe Leute den Streifen nennen, mit einem Einspielergebnis von nur 13,8 Millionen Dollar an den Kinokassen. In Deutschland sehen nur 73.000 Besucher (!) den Streifen und runden den spektakulärsten Flop der jüngeren Filmgeschichte ab. Ein Schock für New Line, das die Konsumfreude mitteilungsbedürftiger Internetgestalten komplett überschätzt hat. Oder gibt es tatsächlich einen triftigen Grund, Snakes on a Plane zu verschmähen?

Zugegeben, der Plot ist schnell erzählt. Aggressive Gift- und Würgeschlangen befreien sich im Frachtraum und fallen über die Passagiere her. Unter ihnen befindet sich FBI-Agent Neville Flynn (Samuel L. Jackson), der den Mordzeugen Eddie Kim (Bryon Lawson) zu einem Schwurgericht begleiten soll. Als die ersten Menschen einen qualvollen Tod erleiden, nimmt Flynn das Heft in die Hand und führt das Heer der Überlebenden in den sicheren Hafen des nächst gelegenen Airports.

Der eindimensionalen Story ungeachtet, bietet Snakes on a Plane wirklich alles, was ein kurzweiliger Katastrophenfilm braucht. Ganz im Stile alter Slasher-Filme bedient der Streifen zielsicher alle Vorurteile und Schockmomente des Trash-Action-Thrillers. Gewürzt mit einem kräftigen Schuss Ironie und Situationskomik hebt sich Soap erfrischend von den geistigen Vätern aus den 1970er Jahren ab und ersetzt den geschniegelten Superhelden mit Blend-A-Dent-Lächeln durch einen kompromisslosen, kantigen Cop mit coolen Sprüchen auf der Lippe. Keine Frage, der Cineasten-Macho kommt voll auf seine Kosten und erfreut sich an der Arbeit der kriechenden Reptilien.

Doch genau diese Kriterien sollten sich als die große Schwachstelle des Films erweisen – zumindest aus ökonomischer Sicht. Erwarteten die Zuschauer nach dem gigantischen Rauschen im World Wide Web nicht weniger als die Neuerfindung des Rades, erhielten sie stattdessen nur einen gut gemachten Genrefilm, der seinen kommerziellen Höhepunkt allerdings schon vor 30 Jahren überschritten hat. Ein klassischen Beispiel für miserables Marketing, was Snake on a Plane den Makel des Kassengifts verleiht. Vollkommen zu unrecht, aber leider nicht zu ändern. Die zischenden 8,5 von 10 Punkten sind da nur ein kleiner Trost…

Deutscher Titel: Snakes on a Plane
Originaltitel: Snakes on a Plane
Studio/Verleih: New Line Cinema / Warner Bros. Germany
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2006
Länge (PAL-DVD): 101 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: John Heffernan, Sebastian Gutierrez, David Dalessandro, John Heffernan
Musik: Trevor Rabin
Darsteller: Samuel L. Jackson, Julianna Margulies, Nathan Phillips, Rachel Blanchard, Bryon Lawson u.w.

Trailer (englisch):

Born to Be Wild

„Saumäßig unterwegs“ sind u.a. John Travolta und Tim Allen auf ihre alten Tage – und bekommen Ärger mit einer echten Biker-Gang!

Saumäßig unterwegs

Saumäßig unterwegs

Jahrelang sind sie in der Vorstadt zu perfekten Spießern geworden, jetzt wollen sie es sich und der Umwelt noch mal zeigen: Die vier ungleichen Freunde Woody (John Travolta), Dudley (William H. Macy), Doug (Tim Allen) und Bobby (Martin Lawrence) können sich zwar kaum auf dem Sattel halten, brechen aber dennoch frohgemut mit ihrer Harley auf in die weite Highway-Wildnis ihres Landes. Kaum auf Achse und die neue Freiheit genießend, treffen sie auf eine echte Biker-Gang. Und die „Del Fuegos“ sind von den Freaks wenig begeistert. (Quelle: kino.de)

Born to be Frankster:

Willkommen in einer Zeit, in der solche Filme mit Dan Aykroyd, Chevy Chase und Steve Martin in den Hauptrollen der große Hit waren. Einer Zeit, in der sich Leute noch für Lichtspielvorführungen von Caddyshack anstellten, sich bei sämtlichen Police Academy -Teilen vor lachen in die Hosen pullerten und Thomas Gottschalk als den neuen deutschen Richard Gere auf Kinoleinwänden feierten. Herzlich Willkommen also in den 1980ern, wo … nein, halt …

Moooment mal! Ich sehe gerade, dass dieser Film 2007 in die Kinos kam und der Typ, den ich für Aykroyd hielt, in Wirklichkeit Tim Allen heißt. Kann es möglich sein, dass jemand den Herren Travolata & Co. vergaß zu sagen, dass wir inzwischen schon alleine vom Humor zwanzig Jahre weiter sind? Männer in der Midlife-Crisis mit unterschiedlichen Problemen legen sich mit einer echten Biker-Gang an (einziger Lichtblick im Film: Ray Liotta als Anführer der Del Fuegos) und am Ende wird alles gut, weil in Wirklichkeit die Uncoolen total cool sind? Ist das der american way of life?

Kritiker Stephen Hunter schrieb in der Washington Post im März 2007 passender Weise, die Gags seien „witzlos“ und die vier Hauptdarsteller würden weder einen gemeinsamen „Rhythmus“ noch „Chemie“ entwickeln. Nichts anderes als eine Parodie von Drei Amigos (übrigens mit Steve Martin und Chevy Chase) würde den geneigten Kinobesucher hier erwarten. Peter Travers meinte im Rolling Stone, die Witze würden „bereits auf den Lippen der Darsteller sterben“ und seien schwerverdaulich. Und Andreas Jaschke von Moviemaze hatte am Abend der Filmbetrachtung verdammt guten Stoff und urteilte, dass der Film eine saukomische Farce sei und niemand, der sich köstlich amüsieren wolle, solle sich den Film entgehen lassen. Bis ich herausgefunden habe, was die Kollegen vom Moviemaze einnehmen, vergebe ich 3 von 10 Punkten und warne ausdrücklich vor dem Genuß von Born to be wild – es sei denn, beim Zuschauer handelt es sich um die Generation 50+, die sich hierbei sicherlich sehr gut unterhalten fühlt.

Info:

Deutscher Titel: Born to be Wild – Saumäßig unterwegs
Originaltitel: Wild Hogs
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Länge (PAL-DVD): 99 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 6
Regie: Walt Becker
Drehbuch: Brad Copeland
Musik: Teddy Castellucci
Darsteller: Tim Allen, John Travolta, Martin Lawrence, Ray Liotta u.w.

Deutscher Trailer:

Mamma Mia! – Der Film

Stell Dir vor, James Bond schmettert alte ABBA-Songs und trifft dabei nicht einen Ton. Mamma Mia, was für eine Blamage!

Mamma Mia! - Der Film

Mamma Mia! - Der Film

Donna (Meryl Streep) führt auf einer griechischen Insel ein kleines Hotel, mit dem sie eigentlich schon genug zu tun hat. Doch die bevorstehende Hochzeit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie (Amanda Seyfried), die sie alleine aufzog, bringt zusätzlichen Trubel. Sophie und ihr Auserwählter Sky (Dominic Cooper) fiebern dem großen Tag entgegen und freuen sich auf ein rauschendes Fest. Donna hat hierzu ihre beiden besten Freundinnen, mit denen sie früher die Pop-Band „Donna and the Dynamos“ hatte, Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski) eingeladen. Es könnte alles perfekt sein, doch Sophie hat einen großen Wunsch: sie würde gerne wissen, wer eigentlich ihr Vater ist. Ihre Mutter hat dieses Geheimnis nie gelüftet. Zufällig entdeckt Sophie das Tagebuch ihrer Mutter, in dem sie einen Hinweis auf ihren möglichen Vater findet. Nur – es könnten allerdings drei verschiedene Männer in Frage kommen. Um endlich Klarheit zu bekommen, lädt sie kurzerhand alle drei Kandidaten heimlich auf die Insel ein. Als Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgaard) dann tatsächlich vor der Tür stehen, ist die Überraschung groß! Nun wird es sich entscheiden, wer Sophie zum Traualtar führen wird…. Aber bis es soweit kommt, gibt es noch einige Überraschungen zu Wendungen zu überstehen… (Quelle: Pressetext)

„Dancing Queen“ Alex Cee berichtet aus Waterloo: Prinzipiell muss die Frage erlaubt sein, was der Zuschauer von einem Musikfilm erwartet. Freut er sich auf die tollen Songs und blendet die Handlungsstränge aus oder legt er Wert auf eine zusammenhängende Geschichte, die durch kleine Musikstücke aufgelockert wird?

Wählt der geneigte Leser die zweite Antwort, so wird er bei Mamma Mia! Jetzt auch als Film ein böses Erwachen erleben. Sicher, es gibt nicht wenige Berichte über Zuschauer, die vor Lachen kleine Urinflecken auf dem Kinosessel hinterlassen haben, da die Komödie über eine blonde Tochter und ihre drei spießigen Erzeuger auf einem kargen, griechischen Felsen so amüsant sein soll, wie ein Sketch mit Roberto Blanko im Musikantenstadl. Da es tatsächlich Menschen Intendanten gibt, die solche Formate als Unterhaltung bezeichnen, werden sich bestimmt auch Intendanten Menschen finden lassen, die herzhaft darüber lachen können, wenn Meryl Streep Pierce Brosman beim dumm-in-der-Gegend-rumstehen auf dem Dachboden überrascht. Mir zauberte die Brüllerszene im (mit vier Personen restlos ausverkaufen) Kinosaal ein gequältes Gähnen aufs Gesicht. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch nicht zu hart urteilen. Wer über den Humor drogenabhängiger Katzen lacht, ist bei Mamma Mia! Abba sieht noch mehr Money, Money, Money wirklich an der falschen Stelle.

Dennoch fällt es mir schwer – trotz der unbestritten großartigen Musik aus Schweden – über die all zu platte Story hinweg zu schauen, die so seicht daher kommt, wie eine abgestandene Straßenpfütze im usbekischen Spätsommer. Was auf der Musicalbühne vielleicht noch funktionieren mag, da die Bruchstücke schauspielerischer Einlagen wirklich nur als symbolische Pausenfüller dienen, wird im Film schnell zum Bumerang. Orientierungslos stolpern die Akteure über eine antike Insel und wirken vor der atemberaubenden Hintergrundkulisse der wunderschönen Ägäis so deplatziert, wie Teletubbies in der Tagesschau.

Dieser Offenbarungseid reißt Mamma Mia! Wir haben nichts zu sagen die sprichwörtliche Maske vom Gesicht, da der notdürftig zusammenzimmerte Rahmen des Streifens fast zwangsläufig auch das Musical in Frage stellt. Reicht es nicht aus, eine gute Abba-Revival Band im lokalen Bürgerhaus anzuschauen, anstatt rund 30,- Euro für die billigsten Plätze im Musical-Theater auszugeben? Die Antwort bleibt natürlich jedem selbst überlassen…

Ein Vorteil kann die Bühnenversion auf jeden Fall für sich verbuchen. In Essen und Berlin stehen ausgebildete Musical-Darsteller auf den Brettern, die stimmlich über jeden Verdacht erhaben sind. Auf der Kinoleinwand dagegen trällert u.a. James Bond Pierce Brosnan persönlich auf die wehrlosen Zuschauer herab und lässt nur erahnen, wie furchtbar sein Gequietsche geklungen haben muss, bevor es mit dem Music Maker weichgespült wurde. Erwies sich John Travolta in Grease schon nicht als Paul Potts, wünscht man sich bei Brosnan den Mamma Mia! Casting-Fuzzie herbei, um ihn mächtig eine in die Kauleiste zu donnern. Er hätte es allemal verdient!

Zum Abschluss bleibt festzustellen, dass – unabhängig von allen Abstrichen – der Abba-Fan bei Mamma Mia! – Griechenland ist schön natürlich auf seine Kosten kommt. Nicht ganz so fanatische Anhänger von Agnetha, Frida, Benny und Björn können sich von dem Geld allerdings auch die Best-Off Compilation Abba Gold zulegen. So ersparen sie sich (und ihren Ohren) einen abgehalfterten, britischen Agenten a.D. im Stimmbruch. 4 von 10 Punkten.

Deutscher Titel: Mamma Mia! – Der Film
Originaltitel: Mamma Mia! The Movie
Studio/Verleih: Universal Pictures
Produktionsland: Großbritannien, USA
Erscheinungsjahr: 2008
Länge (PAL-DVD): 109 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK ohne Altersbeschränkung
Regie: Phyllida Lloyd
Drehbuch: Catherine Johnson
Musik: Stikkan Anderson, Benny Andersson, Björn Ulvaeus (ABBA)
Darsteller: Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth, Stellan Skarsgård, Julie Walters, Dominic Cooper, Amanda Seyfried, Christine Baranski u.w.

Deutscher Trailer:

Hancock

Will Smith kann fliegen und beweißt, dass Superhelden nicht immer interessant sein müssen. Schade.

Hancock

Hancock

Es gibt Helden. Es gibt Superhelden. Und dann gibt es noch Hancock (WILL SMITH). Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung – das weiß jeder – genauer gesagt jeder, außer Hancock. Denn als Superheld hat er es nicht leicht. Wegen seiner unkonventionellen Methoden und nach einigen „Missgeschicken“ ist die Bevölkerung von Los Angeles nicht mehr besonders gut auf ihn zu sprechen. Alle lieben es, ihn zu hassen. Doch ein PR-Berater (JASON BATEMAN) will ihm dabei helfen, sein ramponiertes Image wieder auf Vordermann zu bringen. Aber als sich Hancock auch noch in dessen attraktive Frau Mary (CHARLIZE THERON) verliebt, nimmt das Chaos endgültig seinen Lauf – zumal sich herausstellt, dass die beiden unerwartete Gemeinsamkeiten haben… (Offizieller Pressetext von SONY)

Des Franksters und des Ceesters gemeinsame Meinung:

Einerseits ist es lustig, einen besoffenen Superhelden durch die Häuserschluchten L.A.s fliegen zu sehen – andererseits kann es ganz schön ermüdend wirken, wenn in der Mitte des Films die Autoren in den Streik treten und aus einer witzigen Superhelden-Story plötzlich die Verdi-Version von Dogma entsteht. Wir wissen zwar nicht, ob die Autorenstreiks in den USA diesen Film tatsächlich beeinträchtigt haben, allerdings drängt sich dieser Verdacht bei dem krassen Schnitt der Handlung auf. Warum der immer launisch und alkoholisierte Hancock plötzlich eine Frau an die Seite gestellt wird, die mit seinem PR-Berater verheiratet ist, sich als seine eigentliche Ehefrau vorstellt und über noch stärkere Kräfte verfügt als der Superheld, erschließt sich uns nicht wirklich. Mal ernsthaft: Was wäre bspw. Armageddon, wenn erst ein riesiger Komet auf die Erde fallen soll und ein Team auf denjenigen geschickt wird, um ihn zu sprengen, dann aber auf dem Flug dorthin feststellt, dass ihnen der Weltuntergang eigentlich am Arsch vorbei geht und schließlich eine Kolonie für bisexuelle Hamsterliebhaber auf dem Mars eröffnet. Das erwartet nicht nur niemand und will auch keiner sehen, es ist auch vollkommen sinnlos. Nicht, das Hancock ein schlechter Film wäre – er leidet nur unter einem schlechten Drehbuch. Wieso sich Hancock zum Schluss des Films von seiner Frau entfernen muss, um seine Unsterblichkeit zu bewahren, bleibt wohl auch sein Geheimnis. Zumindest bis zum ersten Sequel. 6 von 10 Punkten

Deutscher Titel: Hancock
Originaltitel:     Hancock
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2008
Länge (PAL-DVD): 92 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12[1]
Regie:     Peter Berg
Drehbuch: Vince Gilligan, Vincent Ngo
Musik:     John Powell
Studio Verleih: Columbia Pictures
Darsteller: Will Smith, Jason Bateman, Charlize Theron u.w.

Deutscher Trailer:

Stellungswechsel

Deutsche Feinkost zum Anfassen mit Lachgarantie?

Stellungswechsel

Stellungswechsel

Frank ist Germanist, arbeitslos und Hausmann. Gy ist Polizist und ein Möchtegern-Romeo. Olli hat einen Feinkostladen, der nicht läuft. Giselher gehört zur Generation 50+ und ist dauerfrustriert und Lasse ist der Jungspund der Truppe. Eine ungewöhnliche Geschäftsidee soll den Fünf aus ihrer finanziellen und sexuellen Misere helfen: Ein Escort-Service für Frauen. Für ihren neuen Job als „Deutsche Feinkost zum Anfassen“ sind die fünf Gigolos bereit alles zu geben… und das sogar mit Orgasmusgarantie! (Quelle: Produktbeschreibung)

Alex Cee schreibt: Oh Gott, eine deutsche Filmproduktion! Und dann heißt sie auch noch Stellungswechsel. Sofort bauen sich alle furchtbaren, schrecklichen und bis zum Himalaya auftürmenden Stereotypen vor meinen geistigen Auge auf, die nur aus dem Kopf eines spießigen, nach Fußschweiß müffelnden, kranken, ungerammelten germanischen Drehbuchautor stammen können, dem all-sonntäglich beim Genuss der Lindenstraße die Sabber aus dem Mundwinkel tropft! Ehrlich, ich verachte den Deutschen Film, ich kann ihn nicht ausstehen! Insbesondere bei teutonischen Beziehungs- und Fickelkomödien Marke Mann im Schrank bekomme ich unverzüglich juckenden Ausschlag und blute so stark aus den Augen, dass Rom meine Wohnung eigentlich zum katholischen Walfahrtsort erklären müsste. Sobald Figuren wie Till Schweiger, Veronika Ferres, Katja Riemann oder Jan Josef Liefers auf dem Bildschirm auftauchen, würde ich vor Scham am liebsten die Staatsbürgerschaft abgeben oder zumindest den Tag auslöschen, an dem die Gebrüder Lumière erstmals die Bilder tanzen ließen. Wenn dann auch noch Sönke Wortmann Regie führt, weiß ich, wie die Deutschen einst den… aber lassen wir das.

Nun also Stellungswechsel. Alleine der Titel klingt schon so innovativ und unverwechselbar wie Hundestellung, Missionarsstellung, Stellung 69 oder gleich Rudelbums. Besonders schön ist auch immer der Vorspann solcher Streifen, der aufdeckt, mit welchen Geldern dieser Staatsfilm produziert wurde. Wieso Staatsfilm? Nun, wie die meisten cineastischen Produktionen aus deutschen Landen, wurde auch Stellungswechsel öffentlich subventioniert gefördert. In diesem Fall machte die Bayrische Filmförderung, die sich größtenteils aus öffentlich-rechtlichen Geldern speist, und – gleich ganz offiziell – der Öffi-Dino ZDF die Geldschatulle auf. Wir rekapitulieren: ZDF = GEZ = Gebühren = mein Geld. Dieser Film wurde also mit Steuergeldern finanziert, denn nichts anderes ist die Zwangsabgabe Rundfunk- und Fernsehgebühr. Eigentlich ist daran auch nichts auszusetzen. Eigentlich! Denn wenn es niemand schafft, in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern, in dem Menschen mit Schnuffelpuffel-Kuschelsong-Handyklingeltönen Millionär werden, eine Filmindustrie aufzuziehen, die SELSBSTFINANZIERT und RENTABEL arbeitet, ist eigentlich schon alles über deren Qualität gesagt!

Aber genug gekotzt, wechseln wir die Stellung. Wie zu erwarten dreht sich in diesem Film alles um den Schnippel, der mal wieder beschäftigt werden möchte. Sechs Männer, alle mehr oder weniger arbeitslos und dem Untergang nahe, gründen einen Escort-Service für Frauen und hoffen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Das klappt erst nicht, dann allerdings doch, jeder scheint seinen ersten Fick Liebesdienst zu versemmeln, kriegt dann allerdings doch einen hoch die Kurve, die obligatorische Freundin, die ihren Kerl nach den ersten 30 Minuten erst rausschmeißt / ignoriert / versucht umzubringen, kehrt zurück und / oder wird erobert und zum Schluss sind alle glücklich! Wirklich, Stellungswechsel ist so vorhersehbar wie ein Fußballländerspiel zwischen Deutschland und San Marino aber… VERDAMMT, ich habe mich DENNOCH amüsiert! Ich habe mich weder gelangweilt, noch musste ich mich übergeben. Scheiße, ich habe sogar laut gelacht, mit den Protagonisten gezittert und auf ein Happy End gehofft! Das muss an der schrecklichen Pizza gelegen haben, die ich vorher verspeist habe. Vor diesem Hintergrund bleibt mir nichts anderes übrig als 7 von 10 Punkten zu vergeben. Mist! P.S.: Franzosen hätten natürlich einen besseren Film gedreht 🙂

Deutscher Titel: Stellungswechsel
Originaltitel: Stellungswechsel
Studio/Verleih: Twentieth Century Fox
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2007
Länge (PAL-DVD): 93 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Maggie Peren
Drehbuch: Maggie Peren, Christian Bayer
Produktion: Jacob Claussen, Thomas Wöbke, Uli Putz
Musik: Caro Heiss, Marc Sidney Müller
Darsteller: Florian Lukas, Gustav Peter Wöhler, Sebastian Bezzel, Kostja Ullmann, Herbert Knaup, Maria Potthoff, Nina Kronjäger u.w.

Trailer:

Snatch – Schweine und Diamanten

Snatch - Schweine und Diamanten

Snatch - Schweine und Diamanten

Um ein gutes Dutzend schräger Vögel dreht sich die verzwickte Handlung von „Snatch“. Franky Four Fingers (Benicio Del Toro) stiehlt in Antwerpen für seinen Boss, den Juden Avi (Dennis Farina), einen 86 Karat schweren, lupenreinen Diamanten. Doch bei einer Stippvisite in London wird Franky selbst überfallen – der edle Stein fällt in die Hände des skrupellosen Russen Boris, die Klinge (Rade Serbedzija). Boss Avi eilt flugs aus New York herbei, um den Edelstein mit Hilfe des Schlägers Tony (Ex-Fußball-Profi Vinnie Jones) wieder zu beschaffen. Eher durch Zufall mischen bald die beiden glücklosen Boxpromoter Turkish (Jason Statham) und Tommy (Stephen Graham) auf der Jagd nach dem Diamanten mit. Doch eigentlich haben sie ganz andere Probleme. Nachdem ihr Preisboxer Georgeous George (Adam Fogerty) ausgefallen ist, setzt sie die brutale Branchengröße Bricktop (Alan Ford) unter Druck. Der nuschelnde Zigeuner-Boxer Mickey (Brad Pitt) soll als Ersatz einspringen. Doch der ist sehr eigenwillig… (Quelle: filmstars.de)

Alex „The Bad Boy“ Cee meint: Es gab eine Zeit, da galt Guy Ritchie als die europäische Antwort auf Quentin Tarantino. Wie kein zweiter Regisseur verstand es der Engländer, turbulente und abwechslungsreiche Stories aus der Unterwelt mit dem klassischen, britischen Humor der schwarzen Sorte zu verbinden.

Vergleichbar mit Robert Rodriguez‘ Doppelfeature El Mariachi (1993) und Desperado (1995), nahm sich Ritchie die Freiheit, mit Snatch – Schweine und Diamanten thematisch und strukturell an sein Spielfilmdebüt Bube, Dame, König, grAs (1999) anzuknüpfen und den Film mit einem etwas anderen Set und wesentlich mehr Geld erneut abzudrehen. Das Resultat kann sich sehen lassen und nährte die Hoffnung auf weitere Meisterwerke. Dann allerdings trat Madonna in sein Leben und Ritchies Eier schrumpelten zu einer winzigen Trockenpflaume zusammen, wie es wohl der Schläger Tony formuliert hätte…

Während Fans und Freunde der britischen Komödie hoffen, Ritchie habe nach seiner Trennung von der extrovertierten Popdiva seine sieben Jahre Pech für einen zerbrochenen Spiegel endlich abgesessen, mag ich nicht ganz an ein umjubeltes Comeback glauben. Zu ähnlich sind sich Snatch und Bube, Dame, König, grAs, zu austauschbar seine Figuren und Motive. Es scheint, als sei die Abhandlung über alle Gangster-Stereotypen, die auf der britischen Insel rumlaufen, der einzige Schuss in seinem Lauf. Dafür trifft diese Kugel ganz genau und verfehlt auch nach dem fünften oder sechsten Knall nicht sein Ziel.

Grandios und mit viel Liebe zum Detail portraitiert Ritchie die Figuren in Snatch, die einem sündhaft teuren Diamanten hinterher eilen, der von einem Hund verschluckt wird. Dabei nimmt Guy – typisch britisch – keine Rücksicht auf die politisch korrekte Darstellung von ethnischen Gruppen und überzeichnet gekonnt die gängigen Vorurteile über Juden, Russen, Farbige, Sinti und Roma, Briten und Amerikaner. Nahezu perfekt fügen sich die Darsteller in ihre Rollen ein und verleihen ihnen so einen zusätzlichen Schuss Glaubwürdigkeit. Ob Alan Ford als Schweinezüchter Bricktop, Vinnie Jones als brutaler Bully mit britischer Attitüde, Rade Šerbedžija als unverwüstlicher und grobmotorischer Russe oder Brad Pitt in der Paraderolle als nuschelnder Gipsy, selten konnte ein Casting so überzeugen wie bei Snatch – Schweine und Diamanten.

Abgerundet durch einen der besten Soundtracks der letzten zehn Jahre, dürfen alle Freunde des britischen Films, der schwarzen Komödie und des rasanten Gangster-Thrillers diesen Streifen nicht verpassen. Anschauen! 9 von 10 Punkten.

Deutscher Titel: Snatch – Schweine und Diamanten
Originaltitel: Snatch
Produktionsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2000
Länge (PAL-DVD): 99 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
Musik: Noel Gallagher, John Murphy
Darsteller: Brad Pitt, Jason Statham, Stephen Graham, Benicio del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Rade Šerbedžija, Ewen Bremner, Alan Ford u.w.

Englischer Trailer: