Night and the City

Der Name „Robert de Niro“ und das Wort „Flop“. Zwei Begriffe, die nicht zusammengehören. Oder etwa doch? Eine Rezension über die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Night and the City - Die Nacht von Soho

Night and the City - Die Nacht von Soho

Harry (Robert De Niro) fristet ein jämmerliches Dasein. Mit zweifelhaften Bagatellfällen hält sich der erfolglose Anwalt im New Yorker Stadtteil Soho über Wasser, immer auf der Jagd nach dem schnellen Dollar. Als er durch einen Mandanten Einblick in die Box-Szene erhält, wittert er seine große Chance: Mit den Ersparnissen seiner Geliebten Helen (Jessica Lange) versucht sich Harry als Box-Promoter. Doch das Box-Geschäft ist fest in der Hand des allmächtigen Boom Boom Grossman (Alan King), und der hat ganz eigene Methoden, sich die neue Konkurrenz vom Hals zu schaffen… (Quelle: www.digitalvd.de)

Alex Cee steigt in den Ring: Schon im Vorspann fällt dem aufgeklärten Filmfreund ein Name sofort ins Auge. Als Produzent und Regisseur gibt sich ein gewisser Irwin Winkler die Ehre. Irwin Winkler, Irwin Winkler, da war doch was? Richtig! Irwin Winkler ist der berühmte Produzent der Rocky-Filme I bis V und schenkte der Welt im Jahre 1985 die Trash-Fernsehserie schlecht hin: MacGyver. Das bürgt also für Qualität oder zumindest für skurrile Gestalten mit Vokuhila und Selbstbau-Atombombe in der Hosentasche.

Dass in Night and the City weder das eine, noch das andere zu sehen ist, erklärt vielleicht auch, weshalb der Streifen nur 9,48 Millionen US-Dollar an den Kinokassen einspielen konnte. Zugegeben: Die Messlatte für Die Nacht in Soho (so der deutsche Alternativtitel) lag für Winkler sehr hoch. Der Film ist ein Remake des Noir-Klassikers Die Ratten von Soho aus dem Jahr 1950, der wiederum auf einen Roman des Briten Gerald Kersh basiert, einer frühen Ikone der Noir- und Kriminalliteratur.

Night and the City schleppt also ganz schön viel historischen Ballast mit sich rum und bürdete Irwin Winkler, der in diesem Spielfilm erst zum zweiten Mal Regie führte, ein hohes Maß an Verantwortung auf. Schon ein Blick auf die Darstellerliste verdeutlicht, dass er sich dieser bewusst war. Allen voran fällt natürlich der Name Robert de Niro auf, der den windigen Anwalt Harry Fabian so glanzvoll interpretiert, dass ihm angesichts des eher mauen Drehbuchs postum ein Oscar gebührt! Auch Jessica Lange und Alan King präsentieren sich in Hochform und verleihen den Figuren der vorbestraften Kellnerin Helen Nasseros und des skrupellosen Boxpromoters Boom Boom ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit.

Dass Night and the City dennoch so klanglos verpufft, wie ein nasser Silvesterknaller im Schneematsch, liegt nicht zuletzt an der wenig überzeugenden erzählerischen Umsetzung der Vorlage. Vom einstigen Noir-Klassiker ist nicht viel mehr als eine fade Thriller-Komödie übrig geblieben, die mit bierernsten Figuren durch eine absurde Comic-Welt stolpert. Konfusion ist die Folge und es stellt sich die Frage, weshalb ein erfolgreicher Boxveranstalter in einem abgewrackten Anwalt, der noch nicht mal genug Geld für die erste Veranstaltung zusammen bringt, einen ernsthaften Wettbewerber sieht. Allzu durchsichtige Nebenplots, wie die verhängnisvolle Affäre zwischen Helen und Harry, sowie der todbringende Konflikt zwischen dem herzkranken Al und einen gehässigen Türsteher beweisen nur, dass ein paar Boxhandschuhe und ein Schweizer Messer im Schnittraum manchmal eben doch nicht für einen Kassenknüller ausreichend sind. Sehr, sehr  schade um die verpasste Chance. Nur 5 von 10 Punkten.

Deutscher Titel: Night and the City
Deutscher Alternativtitel: Die Nacht von Soho
Originaltitel: Night and the City
Studio/Verleih: 20th Century Fox / Eurovideo Bildprogramm GmbH
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1992
Länge (PAL-DVD): 100 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Irwin Winkler
Drehbuch: Richard Price
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Robert De Niro, Jessica Lange, Cliff Gorman, Alan King, Jack Warden, Eli Wallach u.w.

Trailer:
Gute Frage ;-). Um meinen Kollegen Frankster vorzugreifen: Ja, es gibt den Trailer auf You Tube. Ganz bestimmt! Nur hält sich meine Lust in Grenzen, zwischen den Millionen Batman-Clips nach dem richtigen Filmschnipsel zu suchen.  Aus diesem Grund verweise ich mit guten Gewissen auf einen englischsprachigen Trailer, den ich auf den Seiten der New York Times gefunden habe. Viel Spaß 🙂

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