Mamma Mia! – Der Film

Stell Dir vor, James Bond schmettert alte ABBA-Songs und trifft dabei nicht einen Ton. Mamma Mia, was für eine Blamage!

Mamma Mia! - Der Film

Mamma Mia! - Der Film

Donna (Meryl Streep) führt auf einer griechischen Insel ein kleines Hotel, mit dem sie eigentlich schon genug zu tun hat. Doch die bevorstehende Hochzeit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie (Amanda Seyfried), die sie alleine aufzog, bringt zusätzlichen Trubel. Sophie und ihr Auserwählter Sky (Dominic Cooper) fiebern dem großen Tag entgegen und freuen sich auf ein rauschendes Fest. Donna hat hierzu ihre beiden besten Freundinnen, mit denen sie früher die Pop-Band „Donna and the Dynamos“ hatte, Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski) eingeladen. Es könnte alles perfekt sein, doch Sophie hat einen großen Wunsch: sie würde gerne wissen, wer eigentlich ihr Vater ist. Ihre Mutter hat dieses Geheimnis nie gelüftet. Zufällig entdeckt Sophie das Tagebuch ihrer Mutter, in dem sie einen Hinweis auf ihren möglichen Vater findet. Nur – es könnten allerdings drei verschiedene Männer in Frage kommen. Um endlich Klarheit zu bekommen, lädt sie kurzerhand alle drei Kandidaten heimlich auf die Insel ein. Als Sam (Pierce Brosnan), Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgaard) dann tatsächlich vor der Tür stehen, ist die Überraschung groß! Nun wird es sich entscheiden, wer Sophie zum Traualtar führen wird…. Aber bis es soweit kommt, gibt es noch einige Überraschungen zu Wendungen zu überstehen… (Quelle: Pressetext)

„Dancing Queen“ Alex Cee berichtet aus Waterloo: Prinzipiell muss die Frage erlaubt sein, was der Zuschauer von einem Musikfilm erwartet. Freut er sich auf die tollen Songs und blendet die Handlungsstränge aus oder legt er Wert auf eine zusammenhängende Geschichte, die durch kleine Musikstücke aufgelockert wird?

Wählt der geneigte Leser die zweite Antwort, so wird er bei Mamma Mia! Jetzt auch als Film ein böses Erwachen erleben. Sicher, es gibt nicht wenige Berichte über Zuschauer, die vor Lachen kleine Urinflecken auf dem Kinosessel hinterlassen haben, da die Komödie über eine blonde Tochter und ihre drei spießigen Erzeuger auf einem kargen, griechischen Felsen so amüsant sein soll, wie ein Sketch mit Roberto Blanko im Musikantenstadl. Da es tatsächlich Menschen Intendanten gibt, die solche Formate als Unterhaltung bezeichnen, werden sich bestimmt auch Intendanten Menschen finden lassen, die herzhaft darüber lachen können, wenn Meryl Streep Pierce Brosman beim dumm-in-der-Gegend-rumstehen auf dem Dachboden überrascht. Mir zauberte die Brüllerszene im (mit vier Personen restlos ausverkaufen) Kinosaal ein gequältes Gähnen aufs Gesicht. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch nicht zu hart urteilen. Wer über den Humor drogenabhängiger Katzen lacht, ist bei Mamma Mia! Abba sieht noch mehr Money, Money, Money wirklich an der falschen Stelle.

Dennoch fällt es mir schwer – trotz der unbestritten großartigen Musik aus Schweden – über die all zu platte Story hinweg zu schauen, die so seicht daher kommt, wie eine abgestandene Straßenpfütze im usbekischen Spätsommer. Was auf der Musicalbühne vielleicht noch funktionieren mag, da die Bruchstücke schauspielerischer Einlagen wirklich nur als symbolische Pausenfüller dienen, wird im Film schnell zum Bumerang. Orientierungslos stolpern die Akteure über eine antike Insel und wirken vor der atemberaubenden Hintergrundkulisse der wunderschönen Ägäis so deplatziert, wie Teletubbies in der Tagesschau.

Dieser Offenbarungseid reißt Mamma Mia! Wir haben nichts zu sagen die sprichwörtliche Maske vom Gesicht, da der notdürftig zusammenzimmerte Rahmen des Streifens fast zwangsläufig auch das Musical in Frage stellt. Reicht es nicht aus, eine gute Abba-Revival Band im lokalen Bürgerhaus anzuschauen, anstatt rund 30,- Euro für die billigsten Plätze im Musical-Theater auszugeben? Die Antwort bleibt natürlich jedem selbst überlassen…

Ein Vorteil kann die Bühnenversion auf jeden Fall für sich verbuchen. In Essen und Berlin stehen ausgebildete Musical-Darsteller auf den Brettern, die stimmlich über jeden Verdacht erhaben sind. Auf der Kinoleinwand dagegen trällert u.a. James Bond Pierce Brosnan persönlich auf die wehrlosen Zuschauer herab und lässt nur erahnen, wie furchtbar sein Gequietsche geklungen haben muss, bevor es mit dem Music Maker weichgespült wurde. Erwies sich John Travolta in Grease schon nicht als Paul Potts, wünscht man sich bei Brosnan den Mamma Mia! Casting-Fuzzie herbei, um ihn mächtig eine in die Kauleiste zu donnern. Er hätte es allemal verdient!

Zum Abschluss bleibt festzustellen, dass – unabhängig von allen Abstrichen – der Abba-Fan bei Mamma Mia! – Griechenland ist schön natürlich auf seine Kosten kommt. Nicht ganz so fanatische Anhänger von Agnetha, Frida, Benny und Björn können sich von dem Geld allerdings auch die Best-Off Compilation Abba Gold zulegen. So ersparen sie sich (und ihren Ohren) einen abgehalfterten, britischen Agenten a.D. im Stimmbruch. 4 von 10 Punkten.

Deutscher Titel: Mamma Mia! – Der Film
Originaltitel: Mamma Mia! The Movie
Studio/Verleih: Universal Pictures
Produktionsland: Großbritannien, USA
Erscheinungsjahr: 2008
Länge (PAL-DVD): 109 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK ohne Altersbeschränkung
Regie: Phyllida Lloyd
Drehbuch: Catherine Johnson
Musik: Stikkan Anderson, Benny Andersson, Björn Ulvaeus (ABBA)
Darsteller: Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth, Stellan Skarsgård, Julie Walters, Dominic Cooper, Amanda Seyfried, Christine Baranski u.w.

Deutscher Trailer:

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2 Kommentare

  1. ich fand den Filöm wirklich lustig, vor allem wegen den Schauspielern, die so herrlich überdreht gespielt haben und sich selbst auf’s Korn genommen haben. So ernst nehmen darf man das alles nicht.

  2. Du je….da hatte aber jemand gar keinen Spaß. Was mich sehr wundert. Ich hab den Film jetzt vier Mal gesehen und sowohl ich selber als auch alle anderen kamen mit breitem grinsen und guter Laune aus dem Kino. Sicherlich ist Pierce nicht der beste Sänger, dafür sind die Damen ( alle voran Meryl) um so besser. Allein der Abspan war das Geld wert.
    Aber es gibt ja immer Leute die immer nörgeln müssen. Jedenfalls beruhigt es mich, dass das Publikum wesentlich besseren Geschmack hat als viele Kritiker. Nicht umsonst ist der Film dermaßen erfolgreich. Da habe ich zwar nicht mit gerechnet, aber es freut mich ungemein. :-))


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