Snatch – Schweine und Diamanten

Snatch - Schweine und Diamanten

Snatch - Schweine und Diamanten

Um ein gutes Dutzend schräger Vögel dreht sich die verzwickte Handlung von „Snatch“. Franky Four Fingers (Benicio Del Toro) stiehlt in Antwerpen für seinen Boss, den Juden Avi (Dennis Farina), einen 86 Karat schweren, lupenreinen Diamanten. Doch bei einer Stippvisite in London wird Franky selbst überfallen – der edle Stein fällt in die Hände des skrupellosen Russen Boris, die Klinge (Rade Serbedzija). Boss Avi eilt flugs aus New York herbei, um den Edelstein mit Hilfe des Schlägers Tony (Ex-Fußball-Profi Vinnie Jones) wieder zu beschaffen. Eher durch Zufall mischen bald die beiden glücklosen Boxpromoter Turkish (Jason Statham) und Tommy (Stephen Graham) auf der Jagd nach dem Diamanten mit. Doch eigentlich haben sie ganz andere Probleme. Nachdem ihr Preisboxer Georgeous George (Adam Fogerty) ausgefallen ist, setzt sie die brutale Branchengröße Bricktop (Alan Ford) unter Druck. Der nuschelnde Zigeuner-Boxer Mickey (Brad Pitt) soll als Ersatz einspringen. Doch der ist sehr eigenwillig… (Quelle: filmstars.de)

Alex „The Bad Boy“ Cee meint: Es gab eine Zeit, da galt Guy Ritchie als die europäische Antwort auf Quentin Tarantino. Wie kein zweiter Regisseur verstand es der Engländer, turbulente und abwechslungsreiche Stories aus der Unterwelt mit dem klassischen, britischen Humor der schwarzen Sorte zu verbinden.

Vergleichbar mit Robert Rodriguez‘ Doppelfeature El Mariachi (1993) und Desperado (1995), nahm sich Ritchie die Freiheit, mit Snatch – Schweine und Diamanten thematisch und strukturell an sein Spielfilmdebüt Bube, Dame, König, grAs (1999) anzuknüpfen und den Film mit einem etwas anderen Set und wesentlich mehr Geld erneut abzudrehen. Das Resultat kann sich sehen lassen und nährte die Hoffnung auf weitere Meisterwerke. Dann allerdings trat Madonna in sein Leben und Ritchies Eier schrumpelten zu einer winzigen Trockenpflaume zusammen, wie es wohl der Schläger Tony formuliert hätte…

Während Fans und Freunde der britischen Komödie hoffen, Ritchie habe nach seiner Trennung von der extrovertierten Popdiva seine sieben Jahre Pech für einen zerbrochenen Spiegel endlich abgesessen, mag ich nicht ganz an ein umjubeltes Comeback glauben. Zu ähnlich sind sich Snatch und Bube, Dame, König, grAs, zu austauschbar seine Figuren und Motive. Es scheint, als sei die Abhandlung über alle Gangster-Stereotypen, die auf der britischen Insel rumlaufen, der einzige Schuss in seinem Lauf. Dafür trifft diese Kugel ganz genau und verfehlt auch nach dem fünften oder sechsten Knall nicht sein Ziel.

Grandios und mit viel Liebe zum Detail portraitiert Ritchie die Figuren in Snatch, die einem sündhaft teuren Diamanten hinterher eilen, der von einem Hund verschluckt wird. Dabei nimmt Guy – typisch britisch – keine Rücksicht auf die politisch korrekte Darstellung von ethnischen Gruppen und überzeichnet gekonnt die gängigen Vorurteile über Juden, Russen, Farbige, Sinti und Roma, Briten und Amerikaner. Nahezu perfekt fügen sich die Darsteller in ihre Rollen ein und verleihen ihnen so einen zusätzlichen Schuss Glaubwürdigkeit. Ob Alan Ford als Schweinezüchter Bricktop, Vinnie Jones als brutaler Bully mit britischer Attitüde, Rade Šerbedžija als unverwüstlicher und grobmotorischer Russe oder Brad Pitt in der Paraderolle als nuschelnder Gipsy, selten konnte ein Casting so überzeugen wie bei Snatch – Schweine und Diamanten.

Abgerundet durch einen der besten Soundtracks der letzten zehn Jahre, dürfen alle Freunde des britischen Films, der schwarzen Komödie und des rasanten Gangster-Thrillers diesen Streifen nicht verpassen. Anschauen! 9 von 10 Punkten.

Deutscher Titel: Snatch – Schweine und Diamanten
Originaltitel: Snatch
Produktionsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2000
Länge (PAL-DVD): 99 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
Musik: Noel Gallagher, John Murphy
Darsteller: Brad Pitt, Jason Statham, Stephen Graham, Benicio del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Rade Šerbedžija, Ewen Bremner, Alan Ford u.w.

Englischer Trailer:

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