Fritz the Cat

Fritz the Cat

Fritz the Cat

Die Verfilmung war eine Satire auf das College-Leben der 1960er: während Fritz an keinen Vorlesungen teilnimmt, ist er aktiv an der Studentenbewegung und der sexuellen Revolution beteiligt. Er lädt mehrere Mädchen in seine Bude für eine Orgie ein, konsumiert Drogen und flieht vor einer Polizeirazzia. Anschließend hilft er dann bei der Organisation eines gewalttätigen Aufruhrs gegen die „Autoritäten“, ohne das Ziel seiner Wut genau zu erkennen. Später steht er für kurze Zeit mit einer Terroristengruppe in Verbindung, die einen Anschlag auf ein Kraftwerk verübt. Bei diesem Anschlag kommt Fritz ums Leben, wird am Ende aber in einem Krankenhaus noch einmal bei einer letzten, vermutlich nur als Sterbephantasie stattfindenden Sexorgie gezeigt. (Quelle: wikipedia.de)

Kommentar Alex Cee: Bei der Recherche zur Verfilmung des Robert-Crumb-Comics „Fritz the Cat“ musste ich zu meinen Erstaunen feststellen, dass sich rund 36 Jahre nach dem fulminanten Debüt auf der Leinwand der sexsüchtige und arbeitsscheue Kultkater Fritz scheinbar in die Nische verkrochen hat, aus der er einst an die Oberfläche gespült wurde: dem Untergrund.

Nichts scheint mehr daran zu erinnern, dass der Streifen 1972 die Kassen der Kinobetreiber füllte und eine hitzige Debatte über die freie Darstellung von Sex und Gewalt auslöste. So erhielt „Fritz the Cat“ als erster Trickfilm überhaupt keine Jugendfreigabe und schockierte die (erwachsenen) Zuschauer gleich durch mehrere Tabubrüche. Ob brutale Vergewaltigungsszenen, maßlose Drogenexzesse oder von außen geschürte Rassenunruhen, Fritz lässt kein noch so brisantes Thema unberührt und steckt seine Schnurrbarthaare in jede heiße Kiste, die der vermeintliche „Sommer of Love“ zu bieten hatte.

Dies erklärt eventuell auch dicke Staub, der sich heute auf der VHS-Kaufkassette des Trickfilms sammelt. Ja, verehrte CeeNeasten, Sie lesen richtig. Erst im Juni 08 gelang „Fritz the Cat“ überhaupt der Sprung in das digitale Zeitalter und steht seitdem mit seinem nahezu unbekannten Nachfolger „Die Neun Leben von Fritz the Cat“ in der Erotikabteilung jeder gut sortierten Mediathek. Exakt, auch hier irre ich mich nicht: Die DVD teilt sich tatsächlich ein Regal mit den Spritzschlampen und Vögel mich, Babys. „Fritz the Cat“ gilt heute als ein schnöder Porno.

Robert Crumb, der geistige Vater des grau getigerten Katers, wird gegen diese Kategorisierung wohl keinen Einspruch erheben. Er war mit der Umsetzung seiner Vorlage so unzufrieden, dass er den armen Fritz in einem Comicstrip sang und klanglos erschlagen ließ, damit keine weiteren Umsetzungen auf die Leinwand erfolgen können (was, siehe oben, Crumb nicht ganz gelungen ist ;).

Dennoch besitzt dieser Streifen eine unbedingte Daseinsberechtigung, die weit über den großen Unterhaltungswert des hin gekritzelten, bunten Bilderspektakels hinausgeht. In einer Zeit, in der sich wertkonservative Intelektuelle und alt-linke Feuilletonisten über die Frage streiten, ob die 68er nun eine politische Bewegung voller Ideale mit dem Ziel zur gesellschaftlicher Befreiung waren oder doch nur pubertäre Idioten, die durch linke Thesen verblendet die Werte des Abendlandes auf den Scheiterhaufen warfen, gibt „Fritz the Cat“ vielleicht eine Antwort, die keiner Seite so recht gefallen dürfte.

Eventuell schoben langhaarige Aussteiger und aufständige Studenten aus dem Mittelstand einfach nur poetische Phrasen aus dem politischen 1 mal 1 vor, um etwas besonderes zu erleben und – moralisch gerechtfertigt – eine riesige Orgie zu feiern. Ein ernsthafter, gesellschaftlicher Diskurs? Fehlanzeige! Vielmehr die Geburtsstunde der konsumorientierten „Spaßgesellschaft“ heutiger Tage! Fritz zumindest hätte sich auf der Loveparade genauso gut amüsiert, wie manch ein Zuschauer bei seinen Abenteuern im New York der späten 60er Jahre. Mehr als nur nostalgische 8 von 10 Punkten.

Originaltitel: Fritz the Cat
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1972
Länge (PAL-DVD): 75 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Regie: Ralph Bakshi
Drehbuch: Tony Fröhlich, Robert Crumb
Musik: Ed Bogas, Ray Shanklin

Trailer (englisch):

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1 Kommentar

  1. […] Gesicht. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch nicht zu hart urteilen. Wer über den Humor drogenabhängiger Katzen lacht, ist bei Mamma Mia! Abba sieht noch mehr Money, Money, Money wirklich an der falschen […]


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